Kein Versuch

Es war nicht meine Absicht, hier über einen nicht durchgeführten Versuch zu schreiben. Da aber nun ein Ergebnis vorliegt und die Beschreibung von Experimenten geübt werden muss, nehme ich die Ereignisse der letzten Tage und Wochen zum Anlass dieses Beitrages.

Im Rahmen meiner Literatursuche zum Thema „Hörsaalspiele“ (hier) finde ich immer wieder Texte, zu denen ich weitere Fragen habe. Im Gegensatz zu den Autoren aus meinem ersten Studium leben die Verfasser meistens noch. Was liegt also näher, als mit den Leuten Kontakt aufzunehmen? Naja, fremde Menschen anzusprechen gehört nun ‚mal zu meinen Schwächen. Ich rechne deshalb in einem Zeitraum von Jahren, bis der Wunsch in die Tat umgesetzt ist. Für ein Studium dauert das allerdings viel zu lang, denn Wissenschaftler scheinen bis zum Nestbau im Elfenbeinturm die reinsten Wandervögel zu sein. Außerdem sind die Anschriften oder anderen Kontaktmöglichkeiten von Autoren in ihren Büchern oft veraltet. Aber, Internet und Mail bieten ungeahnte Möglichkeiten!

Vorgeschichte. Es begab sich also (und, auch wenn es wie ein Märchen klingt, es trug sich tatsächlich so zu), dass ich nach einem Blogbeitrag über ein feines Buch erst einmal im Netz nach Informationen über den Autor suchte – und plötzlich eine Mail von ihm erhielt. Obwohl es dabei gar keinen Zusammenhang geben kann, fühlte ich mich erwischt. Dieses Gefühl war für mich so verwirrend, dass ich zunächst alle guten Sitten vergaß und fragte, ob denn jetzt Ärger drohe. Schließlich hatte ich in dem erwähnten Beitrag mehr als reichlich zitiert. Außerdem war ich völlig von den Socken, dass ein Fremder den verhältnismäßig langen Artikel bis zum letzten Satz gelesen hat. Nun, der Verfasser verfügte in seiner Antwort über genügend Humor, was mich dazu anstachelte, ein paar Fragen abzusenden. Das Unglaubliche daran war, dass ich mehrmals prompte Antworten und Hinweise erhielt, die mich in meinen Gedanken voran trieben.

Kein Experiment. Inzwischen las ich weitere Bücher und es tauchten immer neue Fragen auf. Nur, ich konnte und wollte nicht über jeden Text einen Beitrag schreiben und darauf hoffen, dass vielleicht jemand darauf reagiert. Also musste ich agieren und wählte dafür die Form einer Mail. In diesem Fall handelte es sich um eine Autorin, die ebenfalls umgehend antwortete, kurz und gehaltvoll. Sie nannte mir Namen von Personen, die mir helfen könnten. Damit musste ich meine bisherige Vorgehensweise auf den Kopf stellen, d. h. zuerst googeln, um danach die Menschen anzuschreiben. Das allein war schon ziemlich spannend, aber, ein wenig fürchtete ich mich doch vor den Reaktionen. Diese Angst erwies sich allerdings als unbegründet. Nur in einem Fall erhielt ich keine Antwort, was angesichts der Fülle von Informationen und Tipps von allen anderen „Versuchspersonen“ nicht wesentlich in’s Gewicht fiel. Manche sagen auch „nicht signifikant“ dazu. Mehrmals hatte ich sogar den Eindruck, dass eine Zusammenarbeit im Sinne des Ideals von Humboldt entstanden ist. Das klingt zu hoch gegriffen? Egal, die Diskussionen haben mir viel Spaß gemacht und mich in ihrer Intensität beeindruckt. So muss Studieren für mich sein.

Fazit. Eine Beschreibung im wissenschaftlichen Sinne ist das hier nicht geworden. Die Autoren habe ich zwar geplant angeschrieben, aber es gab kein „Forschungsdesign“. Zudem fällt die Auswahl zahlenmäßig unter die Formulierung „nicht repräsentativ“. Die Personen hätten nach Männlein und Weiblein bzw. ihrem akademischen Grad und/oder nach Anzahl und Inhalt ihrer Antworten unterschieden werden können. Für mein Ergebnis ist das unwichtig. Wichtig ist jedoch, dass mir nach wenigen Erfahrungen anderer Art (hier) der Glaube an den Menschen im Wissenschaftler erhalten bleibt. Weil das aber ein subjektiver Eindruck ist, bringt es die Wissenschaft nicht um ein mü voran und gehört damit leider in die (Blog-)Tonne.

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