MOOCwelle

In Sachen Klamotten bin ich resistent wie Alabaster. Jede Modewelle zieht unbeachtet an mir vorüber. Überhaupt tauche ich lieber unter einer Welle hindurch anstatt darauf zu schwimmen. Mainstream? Nichts für mich. Und nun schwappt eine Welle anderer Art durch das Netz. Nein, es geht mir nicht auf den Senkel, dass ich in der letzten Zeit mehr und mehr über MOOCs lese. Im Gegenteil: Die Themen, mit welchen die Veranstaltungen gefüllt werden (sollen), gefallen mir durchweg. Mein Interesse an MOOCs allgemein wurde mit dem #mmc13 geweckt und aktuell „beäuge“ ich den #iddg13 an der FernUni in Hagen. Doch plötzlich lese ich auf Twitter und Facebook von anderen Ideen zu neuen MOOCs. Angefangen hat es mit der „Kunst des Argumentierens“ von Susanne Schönborn (hier). Na gut, dachte ich, da ist Monika E. König dabei. Sie war schon am #mmc13 beteiligt und macht das wohl nun innerhalb ihrer Arbeit. Doch schnell folgte der Link zum Doppel-MOOC von Christian Spannagel, Michael Gieding, Lutz Berger und Martin Lindner zu „Mathematischen Denk- und Arbeitsweisen in Geometrie und Arithmetik (hier). Martin Ebner und Sandra Schön wollen einen l3t-MOOC über das „Lernen und Lehren mit Technologien“ anbieten (hier) und Karsten D. Wolf und Thomas Bernhardt (hier) haben sich das Thema „Erfolgreich studieren mit dem Internet“ ausgedacht. Heute früh flatterte dann die Botschaft „Medienbildung und Mediendidaktik. Grundbegriffe und und Praxis“ von Kerstin Mayrberger (hier) in das Netz. Langsam wurde ich stutzig. Wenn ich es richtig verstanden habe, soll per Abstimmung darüber entschieden werden, welcher Kurs produziert wird (hier). Es geht dabei auch um Geld. Tja, und jetzt frage ich mich: Was soll das? Auf der Startseite wird gefragt, was die Teilnehmer lernen wollen. Danach kann man sich für einen Kurs (oder mehrere?) entscheiden. Was ich lernen will? Alles – und noch viel mehr! Wie soll ich mich für einen Kurs entscheiden, wenn es noch so viele andere spannende Themen gibt? Und, warum werden nur die Kurse gefördert, die die meisten Stimmen erhalten haben? Das ist doch Quark, weil vom Zufall und evtl. der Präsentation des Bewerbungsvideos abhängig. Mit dem Inhalt hat das noch gar nichts zu tun und das finde ich nicht in Ordnung. Und, was passiert mit all‘ den anderen schönen Ideen? Verschwinden sie in der Versenkung, nur weil das entsprechende Netzwerk fehlt? Es ist ein wenig wie bei Architektur-Wettbewerben – subjektiv. Ist das der Sinn, wenn es um Innovationen in der Bildung geht? Was treibt die Professoren an, bei dieser Aktion mitzumachen?

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11 Gedanken zu „MOOCwelle

  1. Ach, Luci. Wie Recht du mal wieder hast.
    Ich hab den MOOC für Medienbildung und Mediendidaktik gesehen und dachte: Wow wie interessant, passt momentan fast perfekt.
    Dann habe ich mir die Seite näher angeschaut: wie will man denn da den Überblick behalten? Und wie sich wirklich entscheiden?
    Ich will nun nicht alles lernen, denn das Zeitkontingent ist begrenzt. Aber vieles interessiert und was ist unterstützenswert? Wie soll ich es bewerten? Und wer bekommt den Zuschlag dann? Vermutlich die, die die meisten Menschen akquirieren konnten, was nicht zwangsläufig heißen muss, dass diese dann auch daran teilnehmen werden und somit eine Vielzahl an Teilnehmer zustande kommen.
    Ich kann mir vorstellen, dass die Organisation eines MOOC kostenintensiv sein kann, darum eine Förderung wünschenswert ist, aber diese dann wirklich an „likes“ und „Retweets“ zu vergeben?
    Könnte das im Umgekehrschluss heißen, dass demnächst MOOC kostenpflichtig werden? Wäre dies dann mit dem „open“-Gedanken vereinbar?
    Viele Fragen, wenig Antworten.

  2. Hi ho,

    ich gehe nicht davon aus, dass die „Likes“ entscheiden, sondern nur einer von vielen Aspekten in der Bewertung sind. Immerhin gibt es eine Jury, und ich glaube, die werden nicht nur nach den Abstimmungsergebnissen schauen, sondern auch andere Kriterien hinzuziehen.

    Nichtsdestotrotz zeigen die Likes natürlich auch etwas: Sind die Anbieter in der Lage, viele Leute zu mobilisieren? Viele Leute braucht man für einen MOOC, damit es einer ist. Und wer es jetzt nicht schaffe, viele Likes zu bekommen, der wird auch im Kurs wenige Teilnehmer haben.

    Liebe Grüße,

    Christian

  3. Ich verstehe das so, dass man mit seiner Abstimmung auch kund tut, welches Thema durch welche Veranstalter eine Chance zur Verwirklichung (durch die finanzielle Förderung) bekommen sollen. Das bedeutet für mich nicht, dass ich nur für MOOCs stimme, die ich gerade auch gern besuchen würde. Es ist erst einmal ein Wettbewerb der MOOC-Ideen und kein Werben um potentielle Teilnehmer. Oder ich hab was missverstanden …
    Gruß, Joachim

  4. Schwierige Kiste! Es ist den Anbietern natürlich eine objektive Jury zu wünschen – die Chance auf eine wenigstens annähernde Objektivität bei der Bewertung ist aus meiner Sicht u. a. durch das öffentliche Abstimmungsverfahren und die Videos bereits vertan.

  5. Pingback: Kleiner FAQ zur #moocfellowship Timeline-Welle. ;) | Lernspielwiese

  6. „dass die Organisation eines MOOC kostenintensiv sein kann“ – hey, wieso eigentlich???
    ist das nicht eines der Kriterien, Argumente, die immer im Zusammenhang mit neuen Medien genannt werden, dass sie so viel einfacher, einfacher zu organisieren und „billiger“ und schneller etc. sind? welche Kosten gibt es denn bei einem Mooc? :
    Speicherplatz, Vernetzung, Betreuung – die ersten zwei dürften wirklich vernachlässigenbar sein kostentechnisch, aber hallo. der Punkt der Betreuung: klar, da kann was zusammenkommen, wenn ein, zwei Professoren und ichweißnicht wieviele diverse „Hilfskräfte“ 🙂 zum Beantworten, Rückmelden und Auswerten geg. eingesetzt werden. Aber: ist as wirklich teurer als etwa einen STudienbrief zu betreuen? … schließlich ist ein Mooc auch zeitlich begrenzt!

  7. Hallo Kristina,

    wir bewerben uns auch mit einem Kurs (https://moocfellowship.org/submissions/web-science)bei dem Fellowship und waren Anfang April in Berlin bei dem Infoevent von Iversity und dem Stifterverband der deutschen Wissenschaft wo auch intensiv ueber das Bewerbungsverfahren und das voting gesprochen wurde.

    Dort wurde klar gesagt, dass ca. das obere viertel der beworbenen Kurse am Ende an die Jury gegeben wird und diese dann weiter sehen werden.

    Prinzipiell denke ich, dass ein öffentliches Voting schon keine zu schlechte Sache in einer demokratischen Gesellschaft ist. Diese Votings haben jedoch oft das Problem von Manipulation etc. in dem konkreten Falle habe ich mir die iversity plattform angeschaut und denke, dass sie ziemlich robust gegen manipulationen ist.

    Letzten Endes muss man natürlich auch die verschiedenen Interessenslagen verstehen. Iverstiy möchte eine plattform wie coursera oder kahn Academie aufbauen dafuer bedarf es 2 Dingen:
    1.) studenten / nutzer
    2.) content (Kurse)
    Durch die aktuelle Ausschreibung zu dem fellowship bekommt iversity vermutlich 10 hochklassige Kurse und eine weitausgroessere basis an potentiell interessierten Nutzern.

    Durch die dazwischengeschaltete und klare kommunizierte Jury wird Manipulationen beim Abstimmungsverfahren vorgesehen.

    Wir haben selbst schon ein mal ein Publikumsvoting in form eines band contests durch gefuehrt ( http://www.metalcon.de/blog/?p=112 ) und das war deutlich wenig professionell.

    Rene Pickhardt

  8. @Rene Vielen Dank für die zusätzlichen Erläuterungen zur Vorgangsweise!
    Was mir an dem Wettbewerb weiterhin nicht gefällt: Was passiert mit den restlichen drei Vierteln? Da geht doch eine Menge an Ideen verloren, oder? Warum wird nicht schon im Vorfeld viel Wert auf Zusammenarbeit gelegt, sondern ein Gegeneinander gefördert? Warum soll etwas verglichen werden, was nicht vergleichbar ist? Würde im Sport jemand auf den Gedanken kommen, verschiedene Sportarten gegeneinander „antreten“ zu lassen? Warum wird das in der Bildung versucht?
    Förderungswürdig sind aus meiner Sicht mehr als zehn Beiträge – in diesem Sinne: Viel Erfolg für Euren Vorschlag!

  9. Zur Frage der Einzigartigkeit.
    Sind Moocs individuell verschieden. Moocs rollen an wie Tsunamis. Jetzt soll der bildungsinteressierte Social-Media-User darüber abstimmen, welches Wissen er sich aneignen soll?
    Was wird das für eine Moocwelle? Eine Dauerwelle? Sauerwellen kräuseln sich weniger als Dauerwellen. Abschneiden oder mit dem Brenneisen verändern würde ich den Rest von gesplissten Mooc-Haaren nicht. Es werden sich einzigartige Wachstumswege für alle Moocs finden. Ein wenig Henna-Farbe täte manchem Mooc gut. Der Reichtum besteht aus Wissen. Wenn Geld im Kopf schwirrt, wird das eine teuflisch verwirrende und verkehrte Entwicklung mit allergischen Reaktionen, nicht nur an den Händen.
    Schaut euch die Friseure an. Die fanden neue Wege. Mancher kommt ins Haus. Jeder Kopf wird individuell behandelt. Mancher Friseur bietet Kosmetik und Mode zusätzlich an oder Altenpflege.

    Auf jeden Fall ist Goldschmiedekunst angesagt, um jedes Individuum wie eine Perle zu behandeln. Mir Ist eine Perlenkette gerissen. Die Perlen kugelten herum und ich über die Perlen bei Pearltrees. Bitte! Schön jede Perle auffädeln! Das ist das Geheimnis.
    Es braucht ein Händchen dafür. Was für ein Händchen? Ein zartes, feinfühlendes Handchen mit väterlichem und mütterlichem Gespür. Halt so, wie im Decema Blog zu sehen: http://psychopathologisch.blogspot.de/

  10. Pingback: Noch ein MOOC | Forschungswege

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