Eine kleine Spielidee

Anfang Dezember erschien im Blog von @kusanowsky der Beitrag „Die Infantilisierung der Wissenschaft“. Auf das dortige Video von Christian Spannagel wurde ich kurze Zeit vorher per Facebook aufmerksam und konnte mir somit noch unabhängig vom Text und von der Diskussion im Blog meine Meinung dazu bilden. Die ersten Eindrücke: 1. Der Mitschnitt war für mich zu kurz. – 2. Das „informelle Gespräch“ (Zarius, 1985) an den Anfang einer Vorlesung zu stellen, lenkt die Gedanken darauf, es könne sich auch im weiteren Verlauf um eine interaktive Veranstaltung handeln. – 3. Die „Gummibärchen-Methode“ scheint nicht nur im Schulbereich verbreitet zu sein, dort allerdings eher am Ende einer Unterrichtsstunde. (Es sollte wieder Schulzahnärzte geben.) Auffällig war dabei jedoch, dass mit den Fledermäusen sowohl ein Übergang zwischen Internet und Vorlesung geschaffen als auch Motivation für den Vortrag, da am Beginn verteilt, angelegt wurde. – 4. Das Wortspiel „Graf Count“ honorierten die Zuhörer weniger mit hörbarem Lächeln als dessen Visualisierung durch eine Handpuppe.
Obwohl ich den Beitrag mehrmals gelesen habe, bin ich mir bis heute nicht sicher, ob ich ihn überhaupt richtig verstehe. Allerdings sind mir in der anschließenden Diskussion einige Wörter besonders verständlich aufgefallen: Spaß, Humor, Freude – oft in Verbindung mit Wissenschaft. Letztlich hatte ich den Eindruck, der Autor will selber nur spielen: Mit Worten, mit Kommentaren, mit dem Nicht-Wissen um seine Person, mit den Lesern und den Schreibenden. Ja, auch ich habe mich hinreißen lassen und dort mitgespielt. Die größten Fettnäpfe lauern schließlich in anderen Blogs. Dieses „Spiel“ hatte jedoch auch eine positive Seite für mich, denn es lenkte meine Gedanken auf einige Fragen, z. B.: Was sind Spiel, Spaß, Freude und wie würde sich deren gezielter Einsatz in Vorlesungen auf die Lernmotivation der Studierenden auswirken? Sind Erwachsene überhaupt bereit, während des Studiums spielend zu lernen? Ist es eine ihrem Alter angemessene Form des Lernens? Wie müßten Lernspiele für diese Zielgruppe/n konzipiert sein? Wie könnten verschiedene mobile Alltagsgegenstände der Vorlesungsteilnehmer (Handy, Tablet, Laptop) oder Soziale Netzwerke (Facebook, Twitter) in Lernspiele innerhalb einer Lehrveranstaltung einbezogen werden? Welche spielerischen Elemente werden bereits von Lehrenden in ihren Vorlesungen eingesetzt? Was „sagt“ die Forschung zu diesem Thema? Immerhin gibt es eine Spielwissenschaft!
Teilweise könnten ein paar der  o. g. Fragen vielleicht schon mit der Statistik dieses Blogs beantwortet werden. TopArtikel271212Die Gründe aber, warum ausgerechnet die beiden Beiträge mit Spielen zur Klausurvorbeitung in kurzer Zeit ungewöhnlich oft im Verhältnis zu anderen Artikeln aufgerufen wurden, erfahre ich dadurch nicht. Es wird also Zeit, diese Spiel-Sache mit und nach allen Regeln der Wissenschaft zu untersuchen. Eine Vorüberlegung zu diesem Thema habe ich in meinem neuen Zettelkasten „Gedankenspiele“ abgelegt. Natürlich freue ich mich auch dort über treue Begleiter. Schließlich wüßte ich doch zu gern, was Ihr über Spiel und Spaß im (virtuellen) Hörsaal denkt. 😉

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7 Gedanken zu „Eine kleine Spielidee

  1. Meine Erfahrung ist bisher, dass die Mehrzahl von Menschen sehr wohl zum „Spielenden Lernen“ bereit ist. Da gab es ProfessorInnen, wissenschaftliche MitarbeiterInnen oder Studierende, die bei Lego nicht komisch geschaut haben (http://www.olivertacke.de/2012/09/02/lego-ist-zeitlos/ und auch http://www.olivertacke.de/2012/02/06/was-studierende-uber-ldl-denken/) – und da kann es auch Lego _Serious_ Play heißen. Ich habe auch schon Aufwärmspielchen mit PolizistInnen gespielt, die explizit nach so etwas gefragt haben.

    Vielleicht muss das zweckfreie Spielen, das man landläufig meint, vom „ernsten“ Spielen unterschieden werden? Zumindest um die unterschiedlichen Sichtweisen unter einen Hut zu bekommen? Für mich als Spielkind hat Spielen nämlich keine abwertende Bedeutung (Stichwort Infantilisierung), aber ich verstehe/kenne durchaus auch andere Perspektiven.

  2. Wenn ich die Legosteine in der Stunde auf den Tisch packe, gucken die Grundschüler sehr wohl komisch. Für sie passen spielen und Unterricht überhaupt nicht zusammen. Deshalb muß ich Spiele als Lernen verkleiden. Da doch etwas ver-rückt, oder?
    Mal davon abgesehen, dass ich die erzwungenen Kennenlernspiele nicht leiden kann, verstehe ich das Bedürfnis nach dieser Spielart bestimmter Berufsgruppen. Wer beruflich den ganzen Tag mit Ärger verbringt (so ist das zumindest in meiner Vorstellung), obwohl er vielleicht lieber Freund und Helfer sein möchte, hat sich das Spiel mehr als verdient!

  3. Wirklich verrückt 🙂 Vielleicht funktioniert das mit LEGO tatsächlich nur, weil das Kindheitserinnerungen weckt und einfach „jeder“ gerne wieder LEGO in die Hand nimmt.

    Kennenlernspiele habe ich auch nicht gemeint – schon gar nicht erzwungene (!) – aber sehr wohl „Energizer“ wie „Stühle kippen“. Da machen auch (oder doch gerade?) Erwachsene gerne mit. Aber natürlich kenne ich die Vorbehalte gegen Spiele in „ernsten“ Lagen.

  4. Oder es funktioniert ausgerechnet bei mir nicht, weil ich als Kind keine Legosteine zum spielen hatte… 😉
    So, das mit dem Stühle kippen hätte ich jetzt gern noch erklärt bekommen. Ist das so etwas wie Teller an die Wand werfen?
    (Wenn die Modulbetreuer von 2A wüßten, wie viel Spaß ich mit dem Spielthema habe… – Allerdings fällt mir jetzt mit Schrecken wieder die eidesstattliche Erklärung ein. Das ist einfach ein Dilemma mit der fremden Hilfe!)

  5. „Teller an die Wand werfen“ kenne ich nicht, lerne ich aber gerne kennen 🙂

    „Stühle kippen“ funktioniert so: Ein Stuhlkreis wird zunächst eng zusammen geschoben. Jeder stellt sich seitlich hinter seinen Stuhl, legt die rechte Hand auf die Stuhllehne und die linke Hand auf den Rücken. Jeder kippt dann seinen Stuhl an, hält ihn dabei aber noch fest. Ziel ist es nun, so lange von Stuhlrücken zu Stuhlrücken zu wandern bis jeder wieder an seinem Ausgangspunkt angekommen ist – dabei darf ein Stuhl aber weder nach vorne noch nach hinten umkippen. Falls das passiert, müssen alle sofort wieder an ihren Ausgangspunkt zurück. Als Schummelt gilt, den Stuhl des Vordermanns/der Vorderfrau mit dem Fuß abstützen, mit der linken Hand festhalten, usw.

    Braucht ein wenig Raum im Platz, wird je nach Stuhl und Bodenbelag einfacher oder schwieriger. Lässt sich gut zum „Aufwecken“ nach dem Mittagessen einsetzen. Ist ein Team-Spiel, bei dem sich gleichzeitig beobachten lässt, wie die Gruppe drauf ist: Übernimmt gleich jemand die Initiative und gibt ein Signal? Wie reagieren die anderen darauf? Gibt es Leitwölfe „qua Hierarchie“, usw.

    Und zum Fremde-Hilfe-Thema: Hat Frau Oertner sehr schön festgehalten. Zum zweiten Block würde ich auch den Gedankenaustausch mit anderen zählen, andernfalls müsste sich ja etwa jeder Doktorand und jede Doktorandin einschließen und dürfte nicht einmal mit seinen KollegInnen reden. Dann müssten auch Konferenzbesuche für diejenigen verboten werden, die an einer wissenschaftlichen Arbeit schreiben – womöglich nähmen sie da Ideen mit! Naja…

  6. Witzig und mit Funktion! Das Spiel wird Ihnen präsentiert von Ohropax?
    Also, wenn bei Dir noch alle Tassen und Teller im Schrank sind, kannst Du auf eine Erklärung eines solchen Beziehungsspiels getrost verzichten. 😉

  7. Pingback: Einübungstheorie « Gedankenspiele

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