Patenschaft Statistik

Heute per DM auf Facebook: „warum hast du eigentlich eine Studiengruppe, der du hilfst? bist du einfach ein guter mensch oder was steht dahinter“
Weil mich solche Fragen sowohl virtuell als auch „in echt“ erreichen, will ich heute versuchen, eine Antwort darauf zu geben.
Natürlich bin ich einfach ein guter Mensch – das wäre die einfachste Antwort. Die Frage an sich hat mich aber sofort an einen Beitrag von Jean-Pol Martin erinnert. In seinem Fazit schreibt er:“es ist legitim, wenn man wie jedes andere Lebewesen auch seine Grundbedrüfnisse befriedigen will (“Meerschweinchenmetapher“). Man soll dies aber nicht nach außen anders darstellen (Selbstidealisierung). Wenn man die eigene – “egoistische” – Motivation offen beschreibt und die anderen Menschen sehen, dass auch sie von den damit verbundenen Aktivitäten profitieren, werden sie das in Ordnung finden.“
Wie sieht es also mit meiner Motivation aus, anderen Studierenden durch den Statistik-Dschungel des Moduls 1D zu helfen?
1. Zunächst habe ich einen ungeheueren Vorteil davon: Wenn ich mich regelmäßig mit den quantitativen Forschungsmethoden (und dem Gebrauch des speziellen Taschenrechners) beschäftige, werde ich sie im entscheidenden Moment hoffentlich zielgerichtet einsetzen können. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass, wenn ich anderen etwas verständlich erklären kann, ich es selbst auch verstanden habe. In diesem Sinne ist die Hilfe also auch eine Überprüfung meiner Kenntnisse auf diesem Gebiet.
2. Auf meinem Weg zum Statistik-Schein hatte ich sehr viel „fremde“ Hilfe – davon zeugt ein Beitrag voller Dank. Das fing hier im Blog mit Kommentaren an und setzte sich an vielen Ecken und Enden des Lebens fort. Jetzt ist es an der Zeit, etwas von dieser erhaltenen Hilfe weiter zu geben, denn zurück geben geht in diesem Fall ja leider nicht.
3. Bevor ich mich entschloß, das Methodenmodul wirklich mit einer Klausur abzuschließen, schob ich es bereits zwei Semester vor mir her. Dieses Verschieben hatte nur einen Grund: Angst. Diese Angst entstand überwiegend aus Berichten von Studierenden, die die Prüfung bereits geschrieben hatten. Dieser Punkt ist wohl der wesentliche Motor für die Patenschaft: Ich finde, es soll niemand mit dem Gefühl der Angst im Nacken lernen müssen. Im Gegenteil: In jeden Unterricht gehören nach meiner Auffassung immer auch Spiel und Spaß. Deshalb habe ich mir die Arbeit und das Vergnügen mit
4. den Wiederholungsfragen und dem Klausurspiel Statistik gemacht. Sich neues Wissen auf diese Weise anzueignen oder die Texte unter bestimmten Fragestellungen zu lesen, sind aus didaktischer Sicht ganz alte Hüte. Da nicht alle Lernenden didaktische Vorkenntnisse haben, halte ich es für angebracht, ihnen bei der Erarbeitung meine Hilfe anzubieten. Weil ich es kann und mag.
Was mich jetzt allerdings wundert, warum mir solche Fragen überhaupt gestellt werden. Mein Verhalten ist keineswegs ungewöhnlich, wie sich leicht an Punkt 1 erkennen läßt. In Moodle erlebe ich außerdem täglich die Hilfsbereitschaft zwischen Studierenden. Und Lehrer an sich müssen doch gewissermaßen schon wegen ihres Berufes einen starken Hang dahingehend haben, anderen beim Lernen behilflich zu sein. Warum also stellt Ihr mir diese Fragen? Warum findet Ihr mein Verhalten ganz offensichtlich und im Wortsinn fragwürdig?
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3 Gedanken zu „Patenschaft Statistik

  1. Liebe Luci,
    eine Bemerkung von Dir finde ich ganzbemerkenswert 🙂
    „da ich selber viel Hilfe bekommen habe, die ich ja leider nicht zurück geben kann..“

    Ich selbst beschäftige mich mit dem Phänomen, weil es so oft im Leben passiert, dass ich Hilfe bekomme, die ich nicht zurück geben kann. Und weil ich andererseits Menschen helfe, die meine Hilfe gerade deswegen nicht annehmen können – sie können es nicht (mehr) zurück geben.
    Wann werden wir Menschen so reif sein, dass wir dieses Prinzip verstehen – oder was brauchen wir dazu?

    Gerade alte Menschen können es nicht fassen, wenn ich bemerke, dass sie in ihrem Leben bestimmt oft und viel geholfen haben und nun meine Hilfe annehmen dürfen.. Und auch in diesem Fall finde ich das Zitat von Jean-Pol sehr passend! Denn ich helfe auch aus dem Grund, weil mir bewusst ist, dass ich an anderer Stelle werde Hilfe annehmen müssen. Ein absulut faszinierendes Thema!

  2. Stimmt, es könnte ein Kreislauf sein. Aber, wenn ich einer Oma die Einkaufstaschen nach Hause trage, denke ich doch nicht daran, dass ich solche Hilfe später auch mal brauchen könnte, oder?

  3. Wenn die Sträucher meiner alten Nachbarin über den Zaun hängen und sie besorgt ist, dass sie ihrer ‚Verpflichtung‘ nicht nachkommt, dann sage ich ihr, sie braucht sch keine Gedanken zu machen, was uns stört, entfernen wir. Sie möchte dann aber den Abfall entsorgen, was ich ihr gerne abnehme. Dann sagt sie, sie könne das doch gar nicht annehmen und wir wären so freundlich und sie könne das gar nicht wieder gut machen.
    Das ist eine Situation in der ich ihr sage, dass sie in ihrem Leben bestimmt ebenfalls hilfsbereit war und nun mal ’nehmen‘ darf.
    Zur Zeit zieht meine Schwiegermutter in eine Pflegeeinrichtung – da denke ich ständig, wie wird es wohl, wenn ich dieses Alter (oder körperlichen Zustand) erreiche?
    Als meine Kinder klein waren, dachte ich oft, es wäre so schön, wenn jemand mir etwas abnehmen könnte, ich könnte es ja später zurück geben. So denke ich nun im Zusammenhang mit meinen Enkeln – mal sehen, ob ich mich um meine Enkel so kümmern kann, wie ich es mir wünsche. Meine Kinder werden die Hilfe, die sie erhalten, weiter geben – an wen auch immer…. und hier kommt dann noch der (verfehlte) Anspruch ins Spiel, dass ich Hilfe von den Menschen bekomme, denen ich geholfen habe!
    Liebe Grüße, Ruth

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