Von P1 bis P13

Bestandsaufnahme.  Mit dem Statistikschein im Gepäck gehe ich nun wieder einmal der Anfangsfrage dieses Weblogs auf den Grund: Wie finde ich einen Betreuer für eine externe Forschungsarbeit? (Bei „Gepäck“ fällt mir @flossa11 ein, die mir glücklicherweise von einer „Rückkehr in die Höhle“ abriet.) – Seit einiger Zeit habe ich verschiedene Professoren angesprochen bzw. angeschrieben, um herauszufinden, wie sie diesem Thema gegenüberstehen. Damit sich hier niemand erkennt, werden die Personen mit einem P abgekürzt. Bei bereits verstorbenen Professoren steht die Fachrichtung in Klammern.

Anfang. P1 kam vor über 25 Jahren auf mich zu und meinte, Griechischkenntnisse wären von Vorteil für eine Arbeit in der Sprachwissenschaft. In die gleiche Zeit fielen die Angebote von P2 (Alt-Mittelhochdeutsch) und P3 (deutsche Grammatik). Dass ich diese Arbeiten damals abgelehnt habe, ist nicht mit jugendlichem Leichtsinn zu begründen. Ich wollte und will einfach nur Lehrerin sein.

Spannungsaufbau. P4 habe ich vor ca. 15 Jahren angesprochen. Mit der Empfehlung, das wissenschaftliche Arbeiten zu erlernen, bin ich weitergezogen. P5 machte excellente Lateinkenntnisse zur Bedingung. Der dazugörige Lehrgang war ohne jeglichen Spaß und damit nichts für mich.

Aktuelle Höhepunkte. P6 empfahl mir vor ca. zwei Jahren in einem persönlichen Gespräch eindringlich, Kenntnisse im Fach Statistik zu erlangen. Außerdem konnte ich diese Person seit dieser Zeit im Umgang mit Doktoranden beobachten, wobei mir ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten und die professionelle Arbeitshaltung besonders positiv auffielen. Die Statistikkenntnisse habe ich inzwischen bescheinigt bekommen und obwohl mir diese Person eine professorale Gratulation zukommen ließ, traue ich mich vorerst nicht mehr, sie auf mein Vorhaben anzusprechen. P7 kommunizierte mit mir ausschließlich über die Sekretärin und möchte, dass ich zunächst erst mal das Masterstudium beende. P8 verfügt über eine ausgesprochen schöne Sprachmelodie (das ist nicht unwichtig!) und hätte gerne vor der Entscheidung eine Forschungsfrage von mir. P9 hat scheinbar unendlich viele Ideen, kann fürchterlich gut motivieren und  hält Studierende nicht für lästige Gestalten – ich trau mich nicht. P10 wurde von mir in einem anderen Zusammenhang mit einer fachlichen Frage angemailt. Durch die Sekretärin erhielt ich die Mitteilung, dass diese Person mir nicht antworten möchte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wenn jemand keine Auskunft zu seinem eigenen Text geben will, muss das kein Fall für Stefan Weber sein – und für mich auch nicht.  P11 habe ich erst kürzlich „entdeckt“ und ein halbes Jahr im Umgang mit Studierenden beobachten können. In einer Mail habe ich die Person vermutlich zu direkt gefragt und sie damit offensichtlich verschreckt. P12 ist sozusagen frisch gebacken und antwortet nicht auf meine E-Mail. Naja, ein Postfach kann mit Glückwünschen leicht überquellen. Schließlich ist da noch P13: Die Texte dieser Person sind einfach klasse! Außerdem antwortet sie umgehend auf Mailanfragen und reagiert nicht empört, wenn ich von einem Fettnapf in den nächsten trete. Auch hier traue ich mich nicht, …

Vorläufiger Schluss. Die klaren Favoriten der bisherigen Suche sind P6, P9 und P13. Einige Verhaltensweisen der übrigen P’s waren mir bereits aus dem Beitrag Die Sieben Todsünden eines Wissenschaftlers von Christian Spannagel bekannt. Etwas anderes ist es jedoch, solche Reaktionen selber zu erfahren. Am liebsten würde ich nun einfach noch mehr Profis anschreiben und ihre Reaktionen testen. Aber, wen interessiert das Ergebnis? Außerdem probiere ich, beginnend mit diesem Beitrag, die Bastelanleitung von C. Spannagel aus. Warum? Ganz einfach: Weil ich es nicht glaube 🙂 (Punkt 3). Dadurch könnte es zur Ergebnisverzerrung im Verlauf des Experimentes kommen – und das soll ja möglichst von Anfang an vermieden werden.

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18 Gedanken zu „Von P1 bis P13

  1. Nur verschrecken deine Erfahrungen potenzielle Forscher schon vorab. (leider schaffe ich es gerade nicht die verlinkten Artikel zu lesen), aber ich kann mir vorstellen, dass einen geeigneten Prof zu finden nicht sehr leicht ist. Wären ja nicht seine Lorbeeren und der Mensch ansich ist einfach sehr eitel.

  2. Pingback: “Probleme sind zum Lösen da…”* | Forschungswege

  3. Pingback: Zum Einjährigen | Forschungswege

  4. Pingback: Winteler: Professionell lehren und lernen | GedanKenSpieLe

  5. Liebe Luci, noch einen kleinen kommentar meinerseits dazu. Ob Präsenzstudium oder Fernstudium. Die Professoren haben ausnahmslos alle ihre „Ideologie“. Von uns Studenten wirs Anpassung gefordert. Schlägt ein Student aus kann er einen Segen bekommen oder aber auf Dauer einen Fluch hinterlassen. Wenn „du“ nicht vor hast zu promovieren, dann bist du eine kleine Nummer von zig „Nummern“. Mein Partner erlebte,, dass an Präsenzunis der direkte Zugang zu den Profs leichter ist. Es gibt Sprechstunden etc. – das ist an einer FU nicht der Fall und wahrscheinlich ist das ein gutes Los für Profs. (sehr vorsichtig ausgedrückt). Als heller Stundent merkt man schnell, wer rein seinen Status genießt und wer für seinen „Job“ lebt. Das ist überall auf der Welt so. Deinen Beitrag finde ich klasse. Ein Aufruf, den ich gern auch auf meinem Blog verlinken würde, wenn es ok für dich ist. Forschung ohne den Wunsch zu Promovieren wird leider oft ver- und ab erkannt. 2 deiner „Ps“ sind mir sehr zugewandt und vielleicht klappt dein Vorhaben bei diesen Professoren. 🙂 Herzlichst Betty

  6. Pingback: Gruber: Gruppenarbeit | GedanKenSpieLe

  7. Pingback: Kein Versuch | Forschungswege

  8. Pingback: DaF – Nachschlag zum #ExIF13 | Forschungswege

  9. Pingback: Das war’s! | Forschungswege

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