„Und? Wie war’s?“

Nach 24 Stunden (und einer Menge Anfragen im Sinne der Überschrift) bin ich in der Lage, meine Gedanken zur Prüfung in Sätze zu fassen.

Form: In Nürnberg waren insgesamt 14 Biwis angemeldet, die gut verteilt zwischen Psycho- und POL/SOZ-Studenten sitzend, in einem kleinen Hörsaal ihre Methodenmodulklausur schrieben. Diese durfte nach Abgabe des Lotsebogens sogar mit nach Hause genommen werden! Die drei Aufsichtspersonen waren nicht nur sehr freundlich, sondern auch sehr gut organisiert (dickes Lob – vor allem im Vergleich zu vorherigen Klausuren in München). Für die Lösung der Aufgaben stand ausreichend Zeit zur Verfügung. So hatte ich die Klausur nach 90 Minuten fertig und noch ein zweites Mal geschrieben. Dabei fiel mir auf, dass mir zwei komplette Aufgaben entgangen waren… Trotzdem reichte die Zeit noch für eine Nachbearbeitung. Die Klausur enthielt zehn MC-Statistik-Aufgaben (mit je fünf Fragen und je fünf Punkten), vier numerische Aufgaben (je drei Punkte) und zwölf MC-Biwi-Aufgaben (mit je fünf Fragen, ohne angegebene Punktzahl), also insgesamt 26 Aufgaben (= 114 Fragen und evtl. 122 Punkte, wenn für die Biwi-Fragen ebenfalls jeweils fünf Punkte vergeben werden).

Inhalt: Statistik-Teil: Wahrheitstabelle, Datengewinnung/Messung, Univariate Häufigkeitsverteilungen/Kenngrößen, BOXPLOT! (bitte laut aussprechen :)),  absolute und relative Häufigkeiten/Vierfeldertafeln (kleiner Hungerast), Zusammenhangsmessung, Randbedingungen/bedingte Wahrscheinlichkeiten, Wahrscheinlichkeits- und Verteilungsfunktion, Punkt- und Intervallschätzung, Korrelationsmessung, Gaußtest, Kombinatorik, Gewinnwahrscheinlichkeit beim Roulette (großer Hungerast), Normal- und Standardverteilung, KQ-Schätzung und Flüchtigkeitsfehler meinerseits, über die ich mich gleich nach der Abgabe mächtig geärgert habe…      Biwi-Teil:  Einige Fragen kamen mir  aus der März-2012-Klausur wortwörtlich oder zumindest sehr bekannt vor. So etwas hätte ich nicht für möglich gehalten! Zwei Aufgaben (= zehn Fragen!) allein zu den Skalen empfinde ich im Verhältnis zu den gesamten Pflicht-Texten als unverhältnismäßig viel, zumal es vier Mal ausschließlich um die Ratioskala ging. Bei Behnke & Behnke (4/2011, Kurs 33210, Wissenschaftstheoretische Grundlagen, S. 36) heißt es: „Die gängigen statistischen Auswertungsmethoden beziehen sich in der Sozialwissenschaft in erster Linie auf Messwerte, die auf dem Nominal- oder auf dem Intervallskalenniveau erhoben worden sind. Statistische Verfahren für Ordinalskalen oder Verhältnisskalen hingegen sind wenig verbreitet.“ Wenn also Verhältnis- (bzw. Ratioskalen) in der Forschung nicht oft verwendet werden, warum dann diese plötzliche Wertschätzung in der Klausur? Schließlich: Dass allgemein das Formulieren von Fragen schwierig ist, habe ich hier schon festgestellt und sämtliche Befürchtungen diesbezüglich wurden in der Prüfung bestätigt (= Annahme der Nullhypothese). Was Kromrey dazu schreibt, verkneife ich mir an dieser Stelle mal lieber.

Was mir gefehlt hat: Statistik-Teil: Gini, Herfindahl, Venn-Diagramme, Würfel und Lose in allen Variationen, Zufallsvariablen/stetige Verteilungen (gefehlt haben die Verteilungen tatsächlich – aber mir nicht…), mehr numerische Aufgaben wie z. B. Rangkorrelationskoeffizient, Lotto- oder Münzen-Aufgaben, Verteilungen, Phi-Koeffizient oder Gaußtest. Biwi-Teil: Mehr „gute“ Fragen.

Fazit: Der Statistik-Teil ließ sich gut vorbereiten und war teilweise schwer, aber „fair“. Insgesamt stellt sich die Frage nach dem Sinn einer solchen Prüfungsleistung. Was wurde damit gemessen? Und, wie soll das Ergebnis dann bei einer Bewerbung aussehen? „Guten Tag, ich möchte bei Ihnen promovieren, kann aber nur mit Fehlern rechnen.“ Oder: „Leider kann ich nicht richtig lesen.“ Auweia! – Ich fange an, mich zu erholen. 🙂

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8 Gedanken zu „„Und? Wie war’s?“

  1. Hallo Luci!

    Der Schluss gefällt mir am besten! Aber…

    Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ich diese ganzen Themen so im Detail noch einmal durcharbeiten muss, wenn ich nicht den Master mache? Von der Bachelor-Arbeit mal abgesehen… Wie war noch gleich die Formel??? 😉

  2. Oh, da war’s wieder: „wenn ich nicht (!) den Master mache“… 😦
    „nicht (!) größer als…“, „stimmt nicht (!) überein mit…“ – ich träum‘ bald „nicht“ ! … – Forschung adè, so wird das nicht(!)s

  3. Tja, Statistik wird uns jetzt für IMMER verfolgen! 😉
    Bei jedem Wetterbericht, bei jeder Wahlprognose, bei der Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen und vor allem bei der PISA-Studie! 😀

  4. Pingback: Vorläufiges Ergebnis | Forschungswege

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