Mehr Schwein als Sein – Statistik 12.1 – 12.4

Stetige Zufallsvariablen. Am Sonntag erhielt ich eine Fernlektion via Twitter. Sie begann völlig unverfänglich und endete mitten im Leben. Lernen im Leben sozusagen.  Jean-Pol Martin machte mich auf seinen Artikel „Warnung vor Selbstidealisierung“ aufmerksam und seitdem läuft mein Denken wieder rund, was nichts anderes bedeutet, als daß ich mich neben den Statistikaufgaben auch mit anderen Fragen beschäftige. Zum Beispiel habe ich mich zunächst sehr über den Anfang in seinem Beitrag gewundert: „Macht eröffnet bessere Chancen, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Wer sagt, er interessiert sich nicht für Macht, weiß nicht, wie er selbst funktioniert!:-)“ (Warum schickt er mir diesen Link? Was habe ich mit Macht zu tun?) Einer meiner ersten Gedanken dazu war – natürlich! -, daß mich Macht und Ruhm nicht interessieren. Ich weiß nun, daß JPMartin mir das nicht glauben würde. Trotzdem habe ich überlegt, warum ich noch einmal studiere bzw. was ich mit meinem Ziel erreichen möchte und festgestellt, daß ich diese Frage im Moment nur damit beantworten kann: Ich studiere aus geistiger Langeweile. Es bedeutet keine berufliche oder finanzielle Veränderung für mich, wenn ich das Studium beende oder eine Forschungsarbeit schreibe. Wahrscheinlicher ist, daß ich mit der Denkbeschäftigung mein Bedürfnis nach Sinn befriedigen will, wie JPMartin es in der Meerschweinchenmetapher beschreibt. Diesen Sinn kann ich ausgerechnet in der Statistik noch nicht erkennen. Interessant finde ich aber die kleine, persönliche kognitive Wende: Nach einer Woche, in der ich mehr gerechnet als gelesen habe, scheint es mir nicht mehr völlig unmöglich, zwei oder drei Aufgaben auch im entscheidenden Augenblick lösen zu können. Allerdings dauert das manchmal unglaublich lange! Dieses ausschließliche Denken an die Klausur und den damit verbundenen Schein oder Nicht-Schein, halte ich jedoch für eine mittlere Lernkatastrophe. Ich bin immer noch der Meinung, daß Lernen Sinn haben und Spaß machen sollte. Beides fehlt mir bisher in diesem Semester. – Was mir an dem o. g. Beitrag so gut gefällt? Er ist ehrlich geschrieben und das mag ich. Möglicherweise gibt es aber unterschiedliche Einstellungen zu Macht und Ruhm zwischen den Geschlechtern. Auch ein schönes Thema. Vielleicht liegt darin der Sinn in der Bearbeitung der Methodenmodule: Eine Grundlage zu schaffen für astreine Forschung. Ja, mit diesem Meerschweinsein kann ich leben.

Weiter im Text: Mittag, H.-J. (2011): Statistik. Eine interdisziplinäre Einführung. Kurseinheit 2: Wahrscheinlichkeitsrechnung und schließende Statistik. Studienbrief 33209. (S. 149-165). Hagen: FernUniversität.

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3 Gedanken zu „Mehr Schwein als Sein – Statistik 12.1 – 12.4

  1. Ein schöner Artikel, er hat etwas Morbides, das mir gefällt. „Ich studiere aus geistiger Langeweile“, ist ein harter Satz der Selbsterkenntnis einer Sinnsucherin und damit eigentlich einer Romantikerin, der mich berührte. Ich erlaube mir mal ungebeten und ungefragt, etwas ungehörig zu konkretisieren, das heißt doch, ich studiere aus Unterforderung, weil ich im Leben und vom Job nicht gefordert werde, weil ich in der Gesellschaft in einer ohnmächtigen Position bin und zum Zuschauen verurteilt oder diese Position für mich bewusst gewählt habe oder wählen musste. Ein selbstgewähltes Leben in der Diaspora sozusagen. Ein Massenschicksal? Ein typisches Ostdeutschen-Schicksal? Ein Jahrgangskohortenproblem? Altersjahrgänge wurden für andere Zielsetzungen sozialisiert und dann im Eis ausgesetzt und um ihre Zukunft betrogen. Da stellt sich dann die Sinnfrage beim Animal laborans. Das würde auch die Machtposition erklären, bekanntlich sind dem Fuchs die Trauben zu sauer, die zu hoch hängen, was wiederum gut zu Becket passen würde und seinem absurden Theater. Wir warten darauf, dass wir dot gehen, was wir dazwischen tun, dient nur dem Zeitvertreib aus Langeweile. Luther würde wohl Apfelbäumchen pflanzen, unermüdlich. Hauptsache Arbeit. Hauptsache Lernen?
    Und intellektuelle Neugier? Nur eine Chimäre? Welche Veränderung deiner Denkweise, deiner Einstellungen soll und wird durch die Bearbeitung dieses Moduls erreicht? Gibt es schon Veränderungen im Alltag nach 100? Stunden Statistik, siehst du die Welt nun schon mit anderen Augen als vor dem Kurs, statistischer?





    http://www.khanacademy.org/math/probability/v/binomial-distribution-1

    VG Biwi§x²§Biwi

  2. Du hast mit vielen Deiner Schlußfolgerungen recht. Die Trauben hängen verdammt hoch – und wenn sie nicht geerntet werden, fallen sie von allein! Was dann daraus gemacht wird, kann immer noch hervorragende Qualität haben. Ich fühle mich nicht betrogen, eher privilegiert, weil ich machen kann, was ich will. Studieren oder nicht, arbeiten oder nicht, mich langweilen oder nicht, aus Bayern fortgehen oder bleiben.
    Veränderungen im Alltag durch Statistik? Dazu fällt mir momentan noch gar nichts ein. Doch: die Videos Deiner Links (danke!) werden für mich verständlicher.

  3. Pingback: Kritisches Lob – Statistik 15.1 – 15.5 | Forschungswege

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