Feinarbeit

Seit zwei Tagen brüte ich darüber, Buchstaben und Worte in meiner Hausarbeit an die richtige Stelle zu dirigieren. Manchmal fallen ganze Sätze dieser Tätigkeit zum Opfer. Inzwischen habe ich die dritte Version erstellt und warte auf die Antworten meiner alten und neuen Bekannten. In diesem Zusammenhang trifft auf mich auch die Bezeichnung Nervensäge zu. Warum solch ein Aufwand für eine einfache Hausarbeit? Bisher habe ich immer ‚drauf los geschrieben, ohne Fremdkorrektur und dabei meistens Glück gehabt. Dieses Mal wollte ich es von Anfang an anders machen. Deshalb habe ich haufenweise Bücher zum Thema wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben gewälzt. Einfach, um zu wissen, wie das richtig funktioniert. Im Blog von Friedrich Ittner sind dazu noch mehr Hinweise zu finden und die Idee, einen Schreibcoach zu nutzen, finde ich dabei auch gut. Online gibt es das z. B. in Bremen (hier). Hamburger Studierende finden Hilfe bei der Schreibberatung und möglicherweise gibt es nicht nur im hohen Norden solche Einrichtungen. Wenn ich diesen Wikiversity-Fund früher entdeckt hätte, wäre ich vermutlich schon fertig und könnte mich dem Methodenmodul hingeben. Allerdings bleibt immer noch die Frage: gibt es auch für die Feinarbeit solche Hilfsmittel? Wenn ich ständig bei meinen Freunden anklopfe, wird der Kreis vermutlich irgendwann immer kleiner. Tatsächlich aber wurde mir auch schon völlig selbstlos fremdgeholfen bei der (inhaltlichen) Überarbeitung. Dass es so etwas überhaupt noch gibt, hat mich sehr erstaunt und maßlos gefreut. Für reichhaltige Kritik bräuchte man auch jemanden wie m. g. aus dieser Diskussion. Den Text mal so richtig zerpflücken, bis ihn nichts mehr erschüttern kann und trotzdem nicht beleidigt sein, weil es ein Schritt auf dem Weg zum Ziel ist: lernen, wissenschaftlich zu argumentieren und zu schreiben. Mit den Kommilitoninnen klappt das gut. Sie sind aber mit ihren eigenen Texten und Terminen ausreichend beschäftigt. Es müßte ein System geben, gar nicht erst ab der Hochschulzeit, aber dort auf jeden Fall, bei dem die Schreibarbeiten regelmäßig von allen Seiten diskutiert werden. Nicht ausschließlich von Leuten, die sich mit dem Thema an sich auskennen. Auch von anderen Menschen, weil deren Fragen vor der Blindheit dem eigenen Text gegenüber schützen. Experten und Fachfremde – gibt’s da schon Freiwillige online oder real? Wenn sich die Öffentliche Wissenschaft durchsetzt, löst sich dieses Problem vielleicht durch das Führen eines Weblogs von allein? Das erinnert mich allerdings an diese Diskussion im e-Denkarium, aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

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2 Gedanken zu „Feinarbeit

  1. Hallo Luci,
    allein durch einen kurzen Blick in deinen Wikiversity-Fund erklärt sich mir, worüber und warum du Tag für Tag brütest und verbesserst. Ich kann dir nur m.E. dafür danken, dass du uns/ mich an diesem Fund Teil haben lässt….. 😉 aber eins ist sicher, ich habe hiermit jemanden gefunden, den ich für die nächsten schlaflosen, vor dem PC-verbrachten Nächte verantwortlich machen kann 😀
    Liebe Grüße Caroline

  2. Fast, Caroline, denn die Brütfunktion ist mir angeboren…Den Text vom Wiki hab ich leider heute erst gefunden und noch nicht mal ganz durchgelesen. Ich koch dann mal den Kaffee für die Nachtsitzung.

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