Aktiv oder Passiv

Das gibt’s doch gar nicht: frisch-fröhlich sonne ich mich noch im Erfolg meines Vortrages und will mich in dieser guten Stimmung an das Schreiben der Hausarbeit machen, da erreicht mich die Meldung, dass die Reflexion über die Arbeit mit dem Weblog auch in der Ich-Form geschrieben werden kann. Die Argumente dafür sind durchaus nachvollziehbar: es ist schließlich mein Konzept. Hmm. Da es in der Hausarbeit aber auch allgemeine Teile z. B. über Weblogs und das Instructional Design geben wird (also, zumindest in meiner HA), könnte das ein ziemliches Gewurschtel geben: diese Abschnitte also im Passiv formulieren, die Reflexion in der Ich-Form und den Rest wieder passiv? Allein bei diesem Gedanken rollen sich meine Fußnägel nach oben (fieses Bild, das tut schon beim Schreiben weh, vielleicht reicht es auch, wenn sich nur die Nackenhaare sträuben, aber das Ergebnis bleibt gleich). Schnell mal in verschiedenen Leitfäden zum Verfassen wissenschaftlichter Arbeiten nachgesehen und festgestellt: die Aussagen darin zum Thema Aktiv oder Passiv widersprechen sich (z. T. auch innerhalb eines Buches, hier wurde eindeutig am Lektorat gespart). Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Lesenden wissen, wer die Arbeit verfasst hat, schließlich steht das auf dem Titel. Andererseits bin ich diesem Leserwissen-Irrtum schon während der mündlichen Verteidigung (das hieß wirklich so!) meiner ersten Diplomarbeit erlegen, mit unschönen Folgen. Ich meine, wenn jeder machen kann, was er will, dann würde ich die Arbeit zunächst mal mit Humor versehen. Ich finde, das schadet der Wissenschaft nicht, auch mal lustig zu sein. Fragt sich nur, ob das die Leser auch so sehen und vor allem, ob sie meinen Sinn für Humor teilen? Jetzt bin ich bloß gespannt, wie ich aus diesem Muspott wieder rauskomme.

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4 Gedanken zu „Aktiv oder Passiv

  1. ich finde Edutainment darf auch wissenschaftlich sein :-)) – her mit den Späßen !!

    und „ich“ Botschaften kommen immer besser beim Leser an als unpersönliche Abhandlungen

    um Menschen von Ideen zu überzeugen, was meine überwiegende Lebensaufgabe ist, brauche ich mit „man sollte nicht auf dieser Stelle treten …“ nicht anfangen, denn ein gutes „Ich bin davon überzeugt, dass mein Wissen und ich das Studium bestehen werden“ kommt doch schon viel dynamischer ins Stadion der Meinungen

  2. Liebe Luci

    Ich habe den Eindruck, du lässt dich zu leicht von solchen Nebensächlikeiten verrückt machen. Ich sehe das eher als Stilfrage zu der man eine eigene Position ohne größeres Risiko beziehen kann. Mir persönlich erscheint es sehr natürlich, dass man bei der Selbstreflexion nicht in der 3. Person spricht und auch aktiv formuliert. Es geht ja dabei auch um aktive Prozesse. Aber egal wie man sich entscheidet hatte es, so meine Überzeugung, wenig Einfluss auf die Qualität und auch Bewertung einer Arbeit. Klingt nur eben anders. Denke dabei an Sätze wie „Die zahlreichen Kommentare auf ihre Blogbeiträge legten der Autorin nahe, dass sie wohl einiges richtig gemacht haben müsse.“ oder so.

    Liebe Grüße
    Jürgen

    PS: Vielleicht habe ich dich ja missverstanden. Ich mache mich auf jeden Fall verrückt, setzt dabei aber andere Schwerpunkte.

  3. Also bitte, das ist doch hier keine Spaßveranstaltung! 🙂 und wenn ich der Welt wirklich mal was zu sagen habe, dann bin „ich“ bestimmt davon überzeugt. Bis dahin wird im aktiven Passiv verweilt, es sei denn, es kommt doch noch die durchschlagende Einsicht.

  4. Der Gedanke zur Stilfrage gefällt mir. Auch die Argumentation für den persönlichen Ausdruck und schließlich die Bewertung läßt sich für mich gut nachvollziehen. Ich werde dem Leser (nicht gendergerecht, ich weiß) deshalb nicht zumuten, zwischen den Formen wechseln zu müssen. Das wäre ganz und gar nicht meine Art. (Und, ich hoffe inständig, dass sich so ein Satz nicht in meine HA schleicht :)) Danke Dir!

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