Sie hat mich gefragt!

Nein, genau genommen habe zuerst ich SIE gefragt.

Vorgeschichte. In regelmäßigen Abständen treffen sich an der Uni Regensburg richtige Forscher vom Lehrstuhl Schulpädagogik und der Fakultät Mathematik zu einem sogenannten Kolloquium. Dort werden Entwürfe und Ergebnisse von eigenen wissenschaftlichen Vorhaben einer Gruppe von Gleichgesinnten vorgestellt und im Anschluß daran mit den Zuhörern diskutiert. Nachdem ich etwa ein Jahr lang mit mir gerungen habe, wie ich am besten frage, ob ich mir das mal anhören dürfte,… kurz: die Chefin hat ja gesagt und so erlebe ich seit Mai 2011, wie forschen funktioniert. Von Anfang an ist mir die positive Stimmung in diesem Seminar aufgefallen. Sehr herzlich und interessiert begegneten mir gleich zu Beginn Christine, Julia und EvaEr hat mich mit seinem wissenschaftlichen Gehör auf Anhieb regional enttarnt. Das war auf Grund der bisherigen Erfahrungen im „Wilden Westen“ eine heikle Situation. Ingrid kannte ich flüchtig aus der Arbeit an einer Schule. Auch das war bzw. ist etwas gefährlich, denn mein berufliches Umfeld weiß nichts von meinem Vorhaben und ist eher der Ansicht, ich würde zuviel denken. Von Teresa konnte ich etwas zum Thema Wissenschaftssprache erfahren und Michael ist mit seiner Arbeit gewissermaßen dicht an meinem Fernstudium. Zumindest konnte ich seinen und Philipps Vorträgen inhaltlich bisher am besten folgen. Auch Judith hat ein spannendes Thema und ein erfrischendes Auftreten. Davon könnte sie mir etwas abgeben. Den Vortrag der stillen „Mathe-„Christine zu verstehen, war da eher eine Herausforderung der besonderen Art. Sigrun hingegen hat ihr Ziel schon erreicht, ebenso Sebastian. Seit diesem Semester ist  noch ein Experte dabei, dessen Namen vom lauten Schrillen der Statistik-Alarmglocken übertönt wurde (s. Nachtrag). Von allen anderen Ungenannten in diesem Kurs weiß ich leider noch nicht viel.

Ablauf. Nachdem ich einige Vorträge und durchweg gute Diskussionen gehört hatte, kam mir die Idee, im Ernstfall meine Arbeit diesen Zuhörern vorzustellen. Meine Zeitvorstellung ergab sich dabei aus dem Fernstudium: wenn ich in ein paar Jahren damit fertig würde, wäre das eine Möglichkeit, Rückmeldung zur Masterarbeit zu erhalten. Das dachte ich, ohne es zu sagen und bevor ich mit diesem Weblog anfing. Also trug ich IHR meinen Wunsch vor und ab da ging es Schlag auf Schlag:

Als Philipp mich in seiner charmant-dezenten Art fragte, wie weit ich denn mit meinem Projekt sei, wurde mir erst mal schlecht. Ich mußte ihm erklären, dass ich ja noch gar keine Arbeit an Land gezogen habe. Christian hatte schon mal ein Blog geführt, es aus Zeitgründen aber wieder eingestellt. Jetzt weiß ich, was er damit meinte. – Ich war schon fast raus aus dem Seminarraum, wollte mich nur kurz verabschieden, um nicht im Gespräch zu stören, da fragte SIE mich fast beiläufig, ob ich nicht auch mal meine Arbeit vorstellen wolle… Ähmm (holprig die gleiche Erklärung wie bei Phillip abgeliefert und fieberhaft überlegt, wie ich aus der Sache wieder rauskomme). Meine Einwände schmetterte sie gekonnt-elegant ab. In einem Anfall geistiger Umnachtung habe ich wohl zugesagt (es standen zwei Mathe-Experten daneben, das lässt mich nicht nur nicht klar denken, es verhindert auch die Rekonstruktion des genauen Ablaufes) und mit der Vorbereitung eines Vortrages begonnen, der dazu noch völlig unwissenschaftlich einem Bilderbuch ähnelt.

Baustellen. Ja oder nein, das ist hier mehrmals die Frage.

  • Vortrag oder nicht? Das Thema kann nur „Weblog“ heißen. Insofern wäre es eine gute Vorbereitung auf die Hausarbeit und der Anfängerstatus endlich mal hilfreich. Wenn’s völlig daneben geht, hilft mir das evtl. noch für die Hausarbeit, in dieser Gruppe bräuchte ich mich dann aber nicht mehr blicken lassen, Anfänger hin oder her: das wäre an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.
  • Wie verbindet man die reale und virtuelle Welt in einem Blogbeitrag? Die Formulierung Er und Sie ist hier keine gute Wahl, ebensowenig die Fächerzusätze vor einigen Namen.
  • Informieren oder nicht? Müßten die Teilnehmer nicht darüber Bescheid wissen, dass ich sie hier so präsentiere? Wie würde sich das auf ihre Gastfreundschaft auswirken, wenn sie es zuerst von anderen erführen? Siedendheiß: Gibt es etwa schon eine Verbindung? Mathe ist überall – Zufall, Glück oder Forscher’s Untergang?
  • Link hierher mailen oder nicht? Wie würden sich die Kenntnisse aus diesem Weblog auf das inhaltliche Verständnis des Vielleicht-Vortrages bei den Zuhörern auswirken?
  • An dieser Stelle könnte eine Umfrage erstellt und hinzugefügt werden. Aus Interesse an den Funktionen eines Weblogs hatte ich diese Möglichkeit schon lange im Visier, allerdings ohne die passenden Fragen. Jetzt habe ich die Fragen und ahne, dass mir das Ergebnis der Umfrage nicht gefallen würde. Ich suche also mal wieder meinen eigenen Umweg. Noch Fragen, Anregungen oder Kritik?
  • Veröffentlichen oder nicht? (Scherz! Natürlich geht der Text jetzt raus, denn auf Eure Meinung will ich nicht verzichten.)

PS: @ Jean-Pol Martin und Christian Spannagel – Danke für Euer Vertrauen und die Geduld mit mir hier im Blog!                                                                                                @ bisherige und zukünfige Kommentatoren: Weblogs können zum Denken verführen und das ist für mich unbezahlbar – vielen Dank Euch allen für die Diskussionen, Ihr fehlt mir jetzt schon! 🙂

Nachtrag 17.1.2012: Welch‘ ein Zufall! Heute stellte sich Prof. Dr. Andreas Kastenmüller noch einmal selber im Forschungskolloquium vor. Gut, dass ich schon meine Methoden-Modul-Entscheidungen (s. Dienstag) getroffen habe, da konnte ich wenigstens mal vernünftig auf den Namen achten. Dass der kleine Vortrag am 31.1.12 stattfindet, steht übrigens auch bei den Entscheidungen.

Nachtrag 24.1.2012: Die Forschungsgruppe habe ich heute per Mail mit Link auf diesen Beitrag informiert. Ab jetzt bin ich nicht nur aufgeregt, sondern freue mich auch schon auf die Diskussion!

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22 Gedanken zu „Sie hat mich gefragt!

  1. Guten Morgen,
    kurze Frage: Ist das ein Abschiedsbrief an deine Kommentatoren bzw. an dein Blog??
    Oder nimmst du dir (hoffentlich) nur eine Hausarbeitsauszeit?
    Viele Grüße Caroline

  2. Liebe Luci,
    ich glaube, ich muss jetzt mal kurz ganz altklug zitieren – weil es sich so wunderbar anbietet. (Beachte bitte auch das Tätigkeitsfeld des Zitierten :-))
    „Die kürzesten Wörter, nämlich ja und nein, erfordern das meiste Nachdenken.“ (Pythagoras)
    Zum ersten Punkt deiner Baustelle: Hast du nicht seit Mai 2011 auch auf solch eine Gelegenheit hingearbeitet?
    Viele Grüße
    Sandra

  3. Hallo Luci,
    womit wir wieder bei der Frage wären, was einen „richtigen Forscher“ ausmacht. Soweit ich mich erinnere (ich find den entsprechenden Kommentar nur grad nicht) hast du hier im Blog von einem „richtigen“ 😉 Wissenschaftler/ Forscher schon eine entsprechende Antwort bekommen.
    Wenn ich mich diesem Vorredner anschließen darf: Du bist Forscher/ Wissenschaftler, du bist neugierig, du stellst Fragen…….du suchst fundiert nach Antworten….
    Ja, ich würde meine Hausarbeit vorstellen. Ich könnte mir an deiner Stelle, die du hier eine Art Lernjournal führst, auch vorstellen, die Hausarbeit hier im Blog in einer Art Peer-review-Verfahren zur Begutachtung zu stellen.
    Auch deine Kollegen im Forschungsseminar stellen ihre Fragen und Ergebnisse auf ihrem Weg vor – genau wie DU!
    Liebe Grüße und nur MUT!!
    Caroline

  4. Eine paar Anregungen/Ideen/…, die mir so brainstormingartig durch den Kopf schießen:
    * Wenn du einen Vortrag über Weblogs machst, dann bereite ihn doch über längere Zeit im Weblog vor, veröffentliche immer mal wieder ein paar Gedankenstücke, stelle Fragen (wenn ich dich richtig verstehe, deutest du das oben schon an)… dann kannst du – ganz authentisch – im Vortrag zeigen, welchen Nutzen du aus der Weblog-Vorbereitung eben genau dieses Vortrags gezogen hast, du hast Kommentare einfließen lassen usw.
    * Du brauchst keine Angst davor zu haben, wenn etwas schief geht. Im Gegenteil: Du musst dir klar darüber sein, dass du mutig bist! Wenn es schief geht, kein Problem: Du lernst daraus, beim nächsten Mal klappts besser! Das ist aber 1000 mal besser als die Vermeidungsstrategie! Damit verbaut man sich nämlich einerseits die Chancen auf Erfolg und andererseits die Lernchancen, die sich aus Erfahrungen und Fehlern ergeben. Also: Raus, ausprobieren, testen, vielleicht auf die Nase fallen, vielleicht erfolgreich sein, egal: DU bist dann auf jeden Fall einen Schritt weiter!

  5. Meiner Ansicht nach sollte das kein „entweder – oder“ sein, sondern ein Miteinander. Für mich persönlich ist das Weblog auch ein Denkwerkzeug, das zudem noch die Möglichkeit des Austauschs mit anderen bietet. Insofern kann das Weblog-Führen dich doch beim Schreiben der Arbeit unterstützen…

  6. Die Lernchancen werde ich mir sicher nicht entgehen lassen! Die Sache mit dem Erfolg sehe ich etwas anders, aber im Zusammenhang mit Lernen passt es wohl, davon zu sprechen. (Du kennst den Witz mit dem Abgrund und einen Schritt weiter sein, oder?)

  7. Ja, ich erinnere mich. Manche Dinge brauchen Übung. Die Änderung von Denk- und Verhaltensweisen gehört dazu und dauert offensichtlich etwas länger.

  8. Ich meinte es auch recht subjektiv: Entweder, du selbst empfindest den Vortrag (nach deinen eigenen Maßstäben) als Erfolg oder nicht. Und im letzten Fall ist es trotzdem gut, weil du andere Dinge (Lerneffekte) aus der Aktion für sich selbst ziehen kannst. Insofern: Die Gefahr, dass es schief gehen könnte, ist nicht so groß, dass man es lieber nicht tun sollte, denn: Es kommt immer darauf an, wie DU das, was da passiert, für DICH bewertest.

  9. JUHUUUU, du hast es kapiert! 😀 Ich hab des Zehnerle bis hierher klingeln ghört! 😉
    Ich red mir stunden-, was sag ich, tagelang das …. uppps den Mund fuslig…….was die Worte eines RICHTIGEN Wissenschaftlers nicht alles ausmachen….;-)
    Nix für ungut, Luci! Du weißt, von wems kommt!
    Liebe Grüße Caroline

  10. Tut mir leid, Caroline, der Vergleich („Mein Gott, jetzt hat sie’s!“) sollte ein Lob an Dich sein verbunden mit der Hoffnung auf weitere Unterstützung.

  11. liebe luci, allein, dass du das alles hier machst… da fragst du noch nach erfolg? schau mal zurück, was du schon geschafft hast bis jetzt. ich kenn dich kaum wieder. und dann: hau rein!! und weiter so.
    (wann sehn wir uns in basel ? 😉 )

  12. Mal abgesehen davon, dass ich mich selber auch nicht mehr erkennen kann, führt mich meine nächste Reise mindestens drei Semester wohl eher nach Babel.

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