Einfach Glück gehabt?

Nach diesem Beitrag (mit interessantem Video) aus dem Projekt „Lernen durch Lehren“ von der PH Ludwigsburg/Heidelberg kann ich mich glücklich schätzen über meine erlebten Studienbedingungen. So lag das fächerbedingte Ausbildungsverhältnis zwischen den Dozenten und Studenten bei 1:1 (Instrument), 1:5 (Ensemble), 1:20 (Musik/Deutsch/Sport) und auch mal 1:100. (Pädagogik/Psychologie). An der Universität in Greifswald gab es neben einem Pflichtpraktikum während der Semesterferien verschiedene Vorbereitungsseminare während des Semesters, an dem Lehramtsstudierende aus den verschiedensten Fächern beteiligt waren. Weiterhin wurden regelmäßig Lehrversuche ab dem zweiten Studienjahr in den Schulen abgehalten. Relativ schnell konnte so der Einzelne erkennen, ob er die richtige Berufswahl getroffen hatte. Auch an der Musikhochschule Köln gab es diese Praxisnähe: Kindergruppen wurden sowohl von den Lehrenden als auch den Studierenden unterrichtet und diese Stunden von den Dozenten sehr engagiert in der Vor- und Nachbereitung begleitet. Die Stundenpläne mußten nicht kompliziert von den Studierenden zusammengestellt werden. Diesen Pluspunkt (manche nennen es Verschulung) habe ich übrigens ebenfalls an der FernUniversität in Hagen schätzen gelernt.

Früher war alles viel besser? Natürlich nicht! Am o. g. Beitrag hat mir vor allem gefallen, dass sich Dozenten (in der Diskussion wird die Zusammenarbeit erwähnt) Gedanken um evtl. Veränderungen ihrer eigenen Arbeit und um die Studierenden machen, sie offensichtlich einbeziehen in ihre Planungen. Hängt das Glück nun davon ab, wo und wann ich lebe und wem ich in meinem Leben begegne oder nicht? Die Wahl und Kombination der Fächer hing damals von den eigenen Interessen, Leistungen und dem Angebot der Hochschule/n ab. Natürlich hatte diese „Wahl“ (Musik und Sport wäre mir lieber gewesen) Einfluß auf das angesprochene Betreuungsverhältnis. Das dürfte heute nicht viel anders sein. Den Umgang zwischen den Professoren und Studenten habe ich als sehr autoritär in Erinnerung. Ausgesprochene Zweifel an Zuständen wurden geahndet, geschafft haben wir es trotzdem. Einfach Glück gehabt? Nein, der Staat hatte schon zuviel in unsere Ausbildung investiert und ausgebildete Musiklehrer wurden gesucht. Nach der politischen Wende 1989 (Glück oder Notwendigkeit?) nahm ich mir die Freiheit, meine Vollzeitstelle zu kündigen, um endlich auch noch das zu lernen, was mich ebenfalls interessierte, mir aber bis dahin verwehrt blieb. Glück oder Zufall, dass ich genau dort studieren durfte, wo ich hin wollte, obwohl die Aufnahmeprüfung einem Desaster glich? Woher nahmen die Dozenten das Vertrauen, dass ich das Studium trotzdem (und letztlich sogar in kürzerer als der geplanten Zeit) schaffen würde? Ist Vertrauen Glückssache?

Dieser Beitrag war nicht geplant. Die Gedanken sind zwar von mir, aber die Anregung, darüber überhaupt nachzudenken, habe ich der Diskussion mit Jean Pol Martin und seinem Modell sowie dem Video/Text aus dem Blog von Christian Spannagel zu verdanken. Einfach Glück gehabt!

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10 Gedanken zu „Einfach Glück gehabt?

  1. Nein, nicht Glück gehabt sondern selbst aktiv die bedingungen hergestellt, unter welchen „fortuna“ sich blicken ließ. Das ist die kausale beziehung. Man muss dem „glück“ eine chance geben. Weiter so!

  2. Hi Luci, super Beitrag!
    Ich habe mir das Video in Christians Blog angesehen und fühlte mich in der Zeit zurückversetzt. Hab in seinem Blog auch gleich mal meinen Senf dazu gegeben.
    Ich bin über die `Verschulung´ hier im Master auch sehr dankbar…das andere Extrem durfte ich ja auch schon kennenlernen…
    Mach du bitte weiter so (aber wie einige andere KommilitonInnen auch schon gesagt haben), vielleicht ein, zwei Ticken langsamer. Auch wenn die Qualität selbst bei deinem rasanten Tempo nicht zu leiden scheint, DIR muss es gut gehen und DU musst dich bei dieser Arbeit wohlfühlen. Wir als deine interessierten Leser können auch ein, zwei Tage auf einen deiner tollen Beiträge warten 🙂
    Liebe Grüße Lucy

  3. Sehr schön, wobei du mir gegenüber einen großen Vorsprung hast …
    aber ich hab meine Laufschuhe an und bin bereit zur Aufholjagd 😉
    Motivierend ist es auf jeden Fall, dein Engagement beim Bloggen als Vorbild zu haben

  4. ich insistiere (weil das wichtig ist im sinne der kausalität/attribution): du warst schmied deines glückes: du hast situationen geschaffen, daraus entstanden opportunities und du hast zugegriffen (siehe Machiavelli: virtu).

  5. Widerspruch: ein technisch noch recht weißes Blatt kann selbst mit vielen Bleistiften zunächst nicht überblicken, was mit einem Weblog alles möglich ist und passiert. Trial and error, mehr nicht!

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